Hillary Clinton versuchte in der Debatte vor einigen Tagen ihren Kontrahenten Obama mit bewährten Methoden auszustechen: guilt by association. Zuerst natürlich kamen die üblichen Verdächtigen, also Rev. Jeremiah Wright, der in einem Soundbite Amerika die Verdammnis wünscht und dem antisemitischen Nation of Islam Vorsitzenden, Louis Farrakhan, der zwar Obama seine Unterstützung ausgesprochen hat, auch wenn dieser dankend abgelehnt hat.
Jetzt kam aber eine neue Komponente ins Spiel – Clinton versuchte Obama in die Nähe einer radikalen Bewegung aus dem post-68er studentischen Milieu in Verbindung zu bringen: den Weathermen (siehe hier). In der Tat kennt Obama das ehemalige Mitglied und heutigenm Englischprofessor Bill Ayers, der in seinem Chicagoer Distrikt wohnt, und saß mit ihm wohl auch eine Zeit lang zusammen in einem Ausschuß der Woods Foundation.
Ich finde es spannend, wie die 1960er und ihre Ausläufer so eine zentrale Rolle in dieser Kampagne einnehmen. Erst kam die Beschäftigung mit Martin Luther King (mit Obama als eine Art Reinkarnation und Clinton in einer äußerst undankbaren Rolle als King-Kritiker), dann kam durch Reverend Wright auch die Geschichte der radikalen schwarzen Predigt ins Gespräch. Nicht zufällig wurde eine Szene im Dauerloop gespielt, in der Wright der Rhetorik des ewigen weißen Schreckgespenstes Malcolm X wiederaufnahm. Malcolm verwandte die umstrittene Phrase der „chickens coming home to roost“ als Erklärung für den Kennedymord, bei Wright war es in internationalerer Perspektive der Grund für 9/11. Auch Clintons Faszination eine ziemlich abwegige Farrakhan-Obama Verbindung zu etablieren hat mitunter die Bewandniss, dass erster nun den Black Muslims, Malcolm X alte Organisation vorsteht. So soll Obamas Konnotation mit dem positiv besetzten King, einer gedanklichen Verbindung mit Malcolm und all den mit ihm verbundenen Ängsten weichen.
Überhaupt trägt Clinton eine Menge zur Verklärung dieser historisch höchst komplexen Epoche bei, um ihre politischen Interessen zu verwirklichen. So stellt sie ihre neue Wunderwaffe aus der Zeit, die Weathermen, auch als eine Art amerikanische RAF dar. Nun gibt es, neben der klar divergiernden politischen Zielvorstellungen, aber einen entscheidenden moralischen Unterschied zwischen der RAF und den Weathermen. Während erstere sich gezielt die Ermordung von Menschen zur Aufgabe machte, haben die Weathermen in einer Grundsatzdiskussion ausgeschlossen, dass für ihre Ziele Menschenleben geopfert werden sollten, und haben vor ihren Bombenangriffen immer rechtzeitig Bescheid gegeben, so dass eine Evakuierung möglich war. Und obwohl Clinton ominös Menschen erwähnte, denen der ‚Terrorismus‘ das Leben gekostet hatte, muss man doch festhalten, dass es sich bei diesen Menschen um Mitglieder der Weathermen handelte, die beim Bau einer Bombe durch eine Fehlzündung ums Leben kamen. Also mit Sicherheit keine Terroropfer.
Als sei das nicht genug, brachte Clinton auch noch einen Bericht der New York Times vom elften September 2001 (!!) ins Gespräch, in dem Obamas Bekannter, Bill Ayers mit den Worten zitiert wird, seine Organisation habe nicht genug getan. So versucht Clinton eine bizarre Al Qaida-Weathermen-Black Muslims-Obama Connection in den Köpfen der Wähler zu zimmern. Dazu passte auch ein ziemlich abstruses Hamas-Namedropping in der Diskussion um Rev. Wright während der Debatte. Blöd nur, dass Ayers das Interview natürlich vor dem 11. September gab – einem Datum, dass Clinton natürlich extra betonte. Von einer Verhöhnung der Opfer des Anschlags, wie Clinton insinuiert, kann also keine Rede sein.
Bravo, Hillary, besser hätte das auch die alte Republikanische Angriffsmaschinerie um Karl Rove auch nicht hinbekommen!
1 Antwort auf “Barack Obaader?”